10.11.2005

Karst - Wie aus einer Slowenien- / Kroatienreise eine Unterrichtseinheit wurde

Herbstferien 2005 – 40 Kolleginnen und Kollegen aus Rostock und Umgebung machen sich auf, einen Teil des Balkans zu erkunden. Die Eindrücke sind vielgestaltig – von der alpidischen Region Kranska Goras, über die venezianischen Städte an der Adria wie Piran bis zu den kargen Landschaften Istriens oder der Insel Cres. Aber überall verfolgten uns die Formen des Karstes. Wie kann man nun diese imposanten Eindrücke den Schülern weiter vermitteln? In Klasse 6 ist uns in der Unterrichtseinheit Südosteuropa „Landschaft-liche Besonderheiten im Karstgebiet“ als Inhalt vorgegeben, wobei auf den Zusammenhang der Geofaktoren Wasser und geologischer Bau eingegangen werden soll und in Form eines Experimentes zur Löslichkeit von Kalkstein offene Unterrichtsformen genutzt werden können. die Zielstellung aus dem Rahmenplan lautet: „Bei der Behandlung ausgewählter Räume lernen die Schüler typische geografische Erscheinungen in den Regionen kennen. Dabei erfassen sie, dass die natürlichen Voraussetzungen die Grundlage für die menschliche Existenz bilden und die Menschen diese im Raum zu nutzen verstehen. Das Wissen über die Wechselwirkungen der Geofaktoren wird an konkreten Sachgegenständen exemplarisch vertieft.“ Mit Erschrecken musste ich dann feststellen, dass an keiner anderen Stelle in den Rahmenplänen die Verkarstung problematisiert wird, nicht in Klasse 9 (Wasser) und auch nicht in Klasse 12 (Bodenbildung). Hier ist es also in vollem Maße dem Lehrer überlassen, wie er diese Thematik weiter an die Schüler heranträgt. In der 6. Klasse würde ich für diese Thematik mindestens vier Unterrichtsstunden einplanen. Diese Zeit benötigt man, wenn man die Formen des offenen Unterrichts nutzt. Es ist natürlich auch möglich, nur mithilfe von Lehrbuch, Atlas, Arbeitsheft und entsprechenden Bildern dieses Thema in einer Stunde „abzuarbeiten“ – das wäre aber schade. 1. Stunde: Einführung und Kalkstein als Ausgangsmaterial 2. Stunde: „Steiniger Boden“ heißt Karst – ein Gebirge gibt seinen Namen (Gruppenarbeit) 3. Stunde: Präsentation der Gruppenergebnisse 4. Stunde: Zusammenfassung und Festigung und Kontrolle Am Ende der 4. Unterrichtsstunde könnte dann eine schriftliche Lernkontrolle zum Thema Südosteuropa erfolgen. 1. Stunde Drei Bilder könnten als Einstimmung für die Unterrichtseinheit dienen. „es beginnt“ zeigt ein etwa 50 cm x 80 cm ca. 10 cm abgesenktes Stück Rasen im Bereich der Velka Planina nördlich von Ljubljana (Slowenien). Die Okroglica ist ein 90 m tiefer Schacht, dessen Boden sich in eine Höhle öffnet. Der Schacht entstand durch Lösung des Gesteins, Zerbröckeln und Einstürzen. Hier verschwindet die Reka zum ersten Mal (siehe Abb. unten). Die „Rauschende Höhle“ ist Teil des unterirdischen Laufes dieses Flusses.

1) „es beginnt“ 50 cmx80 cm (Velka Planina – Slowenien) 2) „Okroglica“ - 90 m tief ( Škocjan – Slowenien) 3) „Rauschende Höhle Škocjanske jame“ Slowenien Schüler sollen die Bilder beschreiben und Vermutungen äußern, was hier dargestellt wird Þ Einsturzformen Þ Höhle als Ursache der Einstürze Þ fließendes Wasser als Verursacher der Aushöhlungen Mit welcher Kraft kann das Wasser derartig riesige Hohlräume schaffen? Frage: „Steter Tropfen höhlt den Stein“? Antwort: das alleine genügt hier nicht – Hilfe aus der Chemie Kalkstein – ein besonderes Material Handstücke an die Schüler austeilen und beschreiben lassen Mit 10%iger Salzsäure kann man den Nachweis durchführen und zeigen, wie der Prozess (jedoch viel langsamer) mit Kohlensäure stattfindet (bei Dolomit muss das Gestein zerkleinert sein) - Farbe (weiß bis graubraun; teilweise mit Fossilien durchsetzt - im Meer oder Süßwasser durch Organismen gebildet (Schalen und Skelette von Schnecken, Muscheln, Korallen) - Härte 5 (Ritztest durchführen) - zahlreiche Risse und Spalten Wasser kann leicht versickern und in tieferen Schichten den Kalk herauslösen Þ Entstehung unterschiedlicher Landschaftsformen (weitere Bilder)

7) Karstlandschaft auf der kroatischen Insel Cres 8) der Fluss Reka in Slowenien hat sich ein tiefes Tal geschaffen – dann verschwindet er und lässt Höhlen entstehen

9 bis 11) Höhlen im Gebiet von Škocjan (Slowenien) 2. Stunde Gruppenarbeit zum Karst - „Schüler erforschen das Phänomen“ als Wiederholung werden die Bilder nochmals gezeigt 2. „Steiniger Boden“ heißt Karst – ein Gebirge gibt seinen Namen Gruppe 1: Kartenarbeit (Atlas, Kopie Karst in Deutschland, Weltkarte) a) Wo befindet sich das Gebirge mit dem Namen Karst? b) Wo gibt es in Deutschland Karstlandschaften? c) Wo gibt es Karst weltweit? Gruppe 2: Venedig und der Karst (LB Westermann Kl.6 1999) a) Warum ist die Karstlandschaft waldarm, oder sogar waldlos? b) Welche Folgen hatte die Tätigkeit der Menschen für die Landschaft? Gruppe 3: Dolinen, Polje und Höhlen (LB Westermann Kl.6 1999) a) Beschreibe das Blockbild der Karstlandschaft im LB. b) Erkläre die Entstehung der Karstformen. Gruppe 4: Stalaktiten und Stalagmiten (LB und Zusatzmaterial) a) Informiert Euch über das Wachstum dieser Gebilde. b) Höhlenforscher – Abenteurer oder Wissenschaftler? Gruppe 5: Vom Leben der Menschen in der Karstregion a) Die Landwirtschaft in Slowenien und Kroatien b) Die Höhlen und Touristen Analog zur Gruppenarbeit kann man natürlich die 5 Themen und einige Übungen zur Topographie als Stationen ausgestalten. Zusammentragen der Informationen durch kurze Schülervorträge und Ergänzung des Arbeitsblattes im Arbeitsheft Evtl. als Festigung: Einsatz des Schulvideos „Karst“ Hinweis: Wer diese Thematik mit älteren Schülern bearbeiten möchte, sollte sich bei http://www.webgeo.de/ unter Themenkomplexe „Karst“ die angebotenen Lernmodule ansehen. Anhang (aus www.park-skocjanske-jame.si)